Wer nichts ist als ein Antifaschist, ist kein Antifaschist

Ich weiss eigentlich gar nicht mehr, wo ich diesen Ausspruch zum ersten Mal gehört habe. Ich denke, es war an einer Demonstration des Revolutionären Aufbau (www.aufbau.org) in der Schweiz.

Heute ist dieser Satz so aktuell wie nie zuvor. Von reformistischen AntifaschistInnen wimmelt es nur so in Deutschland, während es keine revolutionären mehr gibt.

Insbesondere setzt sich immer mehr ein neurechter Gesinnungstyp durch, welcher auf einer bedingungslosen Solidarität mit Israel fusst. Der bereit ist, alles zu verteidigen, was Israel tut, wie blutig es auch sein mag.

Dabei entsteht in den europäischen Gesellschaften von links bis rechts ein Konsens gegen MigrantInnen aus muslimischen Ländern, egal ob sie Muslime sind oder nicht. Die entstehende euroamerikanische Einheitsfront gegen Muslime ist rassistisch motiviert und nicht aufklärerisch. Sie befürwortet die Kriege, die im Irak und in Afghanistan geführt werden. Sie stellt sich unkritisch gegen alle alternativen Erklärungsversuche der Ereignisse in den USA vom 11.9.2001.

Damit erreichen diese Pseudo-AntifaschistInnen dreierlei: Erstens werden alle kritischen Hinterfragungen des kapitalistischen Weltsystems den Rechten überlassen. Das Proletariat wird aufgegeben. Kleinbürgerliche Faschismusanalysen verdrängen das Grundproblem der Klassengesellschaft. Als Folge davon wird der Antikapitalismus von den Faschisten besetzt.

Zweitens wird eine Solidarität mit den unter Krieg leidenden Menschen des Nahen Ostens völlig verunmöglicht. Indem Israels ethnische Säuberungsansprüche als uneingeschränkt gerechtfertigt gelten, und gleichzeitig die PalästinenserInnen als Nazifreunde und Primitivlinge abgetan werden, wird nicht mehr wahrgenommen, was in den von Israel besetzten Gebieten vor sich geht.

Drittens werden Muslime mit Nazis gleichgesetzt, was den europäischen Faschisten nur recht ist, denn das ermöglicht eine Erleichterung in ihrem Krieg gegen die Immigration in Europa. Es entsteht eine rassistische Einheit von Faschisten und Neurechten, die sich immer noch für Linke halten. Somit haben die europäischen Faschisten ein Etappenziel erreicht.

Wer nichts ist als ein Antifaschist, ist kein Antifaschist. Das gilt im Besonderen für Israel. Wer den Faschismus braucht, um sich daran negativ definieren zu können, will ihn nicht aus der Welt schaffen. Im Gegenteil lebt er davon, immer ein wenig Krieg führen zu können.

Die andere Wahrheit ist aber auch: Die Palästinenser machen es Israel sehr leicht. Mit ihrer Reislamisierung à la Hamas arbeiten sie ihren Verdrängern voll und ganz in die Hände. Würde ein bedeutender Teil von ihnen zu atheistischen, aufgeklärten Linken, dann wäre es nicht so einfach, sie zu Primitiven zu stilisieren. Und primitive Feinde braucht Israel, um möglichst rücksichtslos gegen sie Krieg führen und sie ethnisch aus der Westbank wegsäubern zu können.

Der antifaschistische Theorieansatz, geeignet zur Bekämpfung der akuten faschistischen Bedrohung, eignet sich nicht um die gesellschaftlichen Verhältnisse zu verbessern. In Schönwetterzeiten wie heute wird er für linke RevolutionärInnen zum reaktionären Klotz am Bein.

Landenteignung mit Schikanen und Mauer


1 Antwort auf “Wer nichts ist als ein Antifaschist, ist kein Antifaschist”


  1. 1 Gli Antideutsche, ossia come prendo un Antifa e ne faccio un Borghezio | Kelebek Blog Pingback am 17. Februar 2012 um 15:26 Uhr
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